Besseres Französisch statt Zwang aus Bern

Die Jungfreisinnigen Kanton Zürich lehnen beide Varianten des Bundesrates zur Änderung des Sprachengesetzes ab. Sie sehen darin einen Eingriff in die kantonale Bildungshoheit ohne tragfähige Verfassungsgrundlage – und den Versuch, ein Modell bundesrechtlich zu zementieren, das seine Ziele verfehlt. Statt Frühfranzösisch per Bundesgesetz fordern die Jungfreisinnigen einen stärkeren Französischunterricht auf der Sekundarstufe.

Der Bund überschreitet seine Kompetenz

Das Schulwesen ist nach der Bundesverfassung Sache der Kantone. Der erläuternde Bericht des Bundesrates räumt selbst ein, dass der Bund Zeitpunkt und Reihenfolge des Fremdsprachenunterrichts nicht festlegen kann. Variante 1 tut aber genau das, indem sie konkrete Schuljahre ins Gesetz schreibt. Variante 2 kleidet dieselbe Vorgabe lediglich in eine andere Formulierung: Wer vorschreibt, dass der Unterricht in der Primarschule beginnen muss, regelt ebenfalls den Zeitpunkt. Zudem lässt der Bericht offen, ob die Kantone überhaupt rechtlich zur Harmonisierung verpflichtet sind – eine wackelige Grundlage für einen derart weitreichenden Eingriff.

Auch das Subsidiaritätsprinzip spricht gegen die Vorlage. In zahlreichen Deutschschweizer Kantonen wird über das Frühfranzösisch debattiert, und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) überprüft ihre Sprachenstrategie bereits. Die Harmonisierung ist nicht gescheitert, sondern in Bewegung. Der Bund würde diesem Prozess vorgreifen und den Sprachenkompromiss von 2004 in Bundesrecht versteinern. Ausgehebelt würde damit auch der Zürcher Kantonsrat, der am 1. September 2025 mit 108 zu 64 Stimmen eine Motion überwiesen hat, die den Einstieg ins Französisch auf die Sekundarstufe verschieben will.

Frühfranzösisch hält nicht, was es verspricht

Rund die Hälfte der Deutschschweizer Schülerinnen und Schüler erreicht die Grundkompetenzen im Französisch nicht. Lehrpersonen an Sekundarschulen und Gymnasien beginnen im 7. Schuljahr faktisch bei null. Die Gründe sind strukturell: Im Raum Zürich fehlt der Alltagskontakt mit dem Französischen, und ältere Lernende eignen sich eine Sprache im Unterricht systematischer und nachhaltiger an. Für Kinder, die zu Hause eine andere Sprache sprechen, ist Französisch nach Schweizerdeutsch, Hochdeutsch und Englisch bereits die fünfte Sprache. Noch schwerer wiegt, dass der frühe, wenig erfolgreiche Unterricht bei vielen Kindern einen Verleider gegenüber einer schönen Landessprache erzeugt. Gleichzeitig sinken die Leistungen in Deutsch und Mathematik – die Primarschule muss sich wieder auf ihren Kernauftrag konzentrieren können.

Wir sagen nicht Nein zum Französischen, sondern Nein zu einem Modell, das nicht funktioniert. Wer Französisch wirklich stärken will, setzt dort an, wo Jugendliche es am besten lernen: auf der Sekundarstufe und im echten Austausch mit der Romandie“.

Mikhail Shalaev, Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Zürich

 

Zusammenhalt entsteht durch Begegnung, nicht durch Pflichtstoff

Die Jungfreisinnigen bekennen sich ausdrücklich zur Mehrsprachigkeit der Schweiz. Der Zusammenhalt des Landes hängt jedoch nicht an wenigen Wochenlektionen Französisch in der Primarschule – Generationen haben die Sprache erst auf der Oberstufe gelernt. Verständigung entsteht durch Austausch, Sprachaufenthalte und kulturelle Begegnungen. Die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt ist eine pädagogische, keine staatspolitische. Sie sollte von den Kantonen gemeinsam im Rahmen der EDK beantwortet werden, statt durch die Androhung von Bundesrecht emotionalisiert zu werden.

Die Forderungen der Jungfreisinnigen

Die Jungfreisinnigen Kanton Zürich beantragen, auf eine Änderung des Sprachengesetzes zu verzichten. Hält der Bundesrat dennoch daran fest, ist Variante 2 vorzuziehen, da sie weniger stark in die kantonale Zuständigkeit eingreift – allerdings ohne die zwingende Vorgabe, dass der Unterricht in der Primarschule beginnen muss. Stattdessen soll der Bund die Überprüfung der Sprachenstrategie durch die Kantone abwarten und das gemeinsame Ziel besserer Französischkenntnisse dort unterstützen, wo er wirksam beitragen kann: beim Austausch zwischen den Sprachregionen. Die Kantone wiederum sollen das Französisch auf der Sekundarstufe stärken, mit mehr Unterrichtszeit, Sprachaufenthalten und Begabtenförderung für besonders interessierte Schulkinder.

Medienmitteilung der Jungfreisinnigen Kanton Zürich zur Vernehmlassung über die Änderung des Sprachengesetzes
Quelle: ganze Medienmitteilung